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„Macht das was ihr möchtet und nicht was andere von euch erwarten!“

Wir haben mit Miss Handwerk 2021, Alena Schneider gesprochen. Wie ihre Karriere im Handwerk startete, wieso sie sich zur Wahl von Miss Handwerk aufgestellt hat und was ihre Message ans Handwerk ist, erfahrt ihr in diesem Interview.

Nachdem sie 2017 ihr Abitur in der Tasche hatte, war für Alena nicht direkt klar, was sie machen möchte. Da ihr Vater selbst Elektriker ist, interessierte sie sich eher für eine Ausbildung als für ein Studium. Daher entschied sie sich für eine Ausbildung zur Elektrikerin und beendete diese 2020. Sie hat schnell gemerkt, dass der Beruf ihre absolute Leidenschaft ist und sie noch mehr erreichen möchte und hat direkt nach der Ausbildung noch ihren Meister gemacht. Alena startet nicht nur beruflich richtig durch, sie möchte das Handwerk repräsentieren und zeigen, wie cool ein Beruf im Handwerk ist. Deswegen hat sie auch ganz spontan bei der Wahl zur Miss Handwerk 2021 mitgemacht. Spontanität und das „einfach mal machen“ ist genau Alenas Ding.

Das Handwerk, sagte sie, bekommt oft wenig Zustimmung und wird eher belächelt. Aber während der Wahl wurde sie von allen Seiten unterstützt. „Meine Oma hat gevotet ohne Ende“, erzählte sie uns. Sie war super aufgeregt und hat sich sehr über den Sieg gefreut. Alena erklärte uns, dass ihr die Miss Handwerk Wahl ein ganz anderes Standing gibt. Sie möchte mit ihrer „Position“ Schmerzpunkte im Handwerk angehen und vor allem ändern. Als Dinge in der Meisterschule nicht ganz rund gelaufen sind, hat sie umgehend mit der Handwerkskammer gesprochen, um schnell eine Lösung zu erzielen. Das hätte sie sich vor der Wahl nicht zugetraut, gesteht sie uns.

Wichtige Botschaft

Ihre Botschaft ans Handwerk ist ganz klar: „Junge Leute motivieren! Macht euch Gedanken, was ihr gern macht und nicht was andere wollen. Es gibt Alternativen und Aufstiegsmöglichkeiten, über die viel zu wenig gesprochen werden.“ Dass der Meister gleichwertig mit einem Studium ist war ihr z.B. vorher gar nicht bewusst. Und genau deswegen muss mehr Aufklärungsarbeit auch auf Gymnasien gemacht und Alternativen aufgezeigt werden. Alena hat ihre Gesellenprüfung und die Meisterprüfung in der Tasche, da sind andere aus ihrem Jahrgang noch lange nicht mit dem Studium fertig. Das ist vielen nicht bewusst. Die Lehrer könnten hier auch verstärkt unterstützen, sagt Alena.

„Wenn ihr nichts Gescheites lernt, müsst ihr draußen ein Gerüst aufbauen“, ist ein Satz ihres Lehrers, der hängen geblieben ist. Da wird in jungen Jahren schon ein völlig falsches Bild vom Handwerk dargestellt. In der Schule wird oft die Frage gestellt: Was wollt ihr studieren? Aber keiner klärt auf, welche Ausbildungsmöglichkeiten es gibt. Deswegen könnte sich Alena sehr gut vorstellen, in Schulen zu gehen und von ihrem Karriereweg zu berichten, um andere Möglichkeiten aufzuzeigen und positive Werbung fürs Handwerk zu machen. „Macht euch bewusst, was ihr wirklich gerne tut, hört auf euch selbst und informiert euch. Auch wenn man in der Schule in einigen Dingen nicht gut ist, sagt das nichts über den Beruf später aus“.  

Auch über das Thema Versicherungen wird in der Schule zu wenig aufgeklärt und sollte Bestandteil in der Ausbildung sein. Kein Lehrling macht sich von alleine Gedanken über das Thema. Erst in der Meistschule wird aufgeklärt, welche Risiken es überhaupt gibt.

Vielfalt im Handwerk

Klar, der Fachkräftemangel ist im Handwerk das größte Problem. Das weiß auch Alena. Sie hat aber auch hier eine wichtige Message an Betriebe, die Praktikanten haben: Zeigt gerade im Praktikum die coolen Seiten vom Handwerk. Zeigt wie vielfältig und spannend es ist und lasst die Praktikanten nicht fünf Tage auf die gleiche Baustelle fahren. So ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Praktikant eine Ausbildung in dem Betrieb machen möchte.

„Vielfältigkeit“ ist ein Wort, das Alena oft in unserem Interview erwähnt und immer wieder betont. Wir hören ihre Begeisterung förmlich durchs Telefon. Sachen von draußen bis drinnen, von einfach bis komplex, genau das ist Handwerk für sie. Und es gibt immer wieder was Neues, wie Ladestationen für E-Autos oder Photovoltaik. Sie empfiehlt sich in der Ausbildung etwas rauszusuchen, was einem wirklich Spaß gemacht hat und sich dann zu spezialisieren.

„Spezialisieren kann auch Nachteile bringen und schief gehen, aber man muss dranbleiben, man muss mit der Zeit mitgehen“, so Alena.

Als Frau auf dem Bau

„Boah krass, dass du das machst“, hört sie oft. Es ist als Frau (leider) immer noch nicht selbstverständlich im Handwerk zu arbeiten. Auch ihre Oma hat oft Angst um sie. „Nein du kannst doch nicht da hochsteigen, ist doch gefährlich“, lacht Alena. Aber da muss die Oma sich keine Sorgen machen. Das Klischee „Du musst groß und stark sein, sonst kannst du im Handwerk nicht überleben“, stimmt nicht und ist längst von vorgestern. Alena hat bislang nur positive Erfahrungen gemacht und dank Teamwork werden alle Baustellen gemeinsam gestemmt. Auch wenn sie die Waschmaschine oder schwere Materialien nicht alleine tragen kann, denkt sie voraus und unterstützt so das Team. Jedes Geschlecht hat seine Stärken und Schwächen – auch auf der Baustelle!

Neues Werbegesicht vom ZVEH

Uns hat natürlich brennend interessiert, was die Aufgabe einer Miss Handwerk ist und was sich bisher für sie verändert hat. Sie hat bislang nicht nur interessante Interviews mit Handwerkskammern oder Innungen geführt, sie war auch schon in regionalen Zeitungen abgebildet. Sehr interessant fand Alena, dass sich ein Politiker, der eigentlich nichts mit dem Handwerk zu tun hat, für sie interessierte und sie interviewte. Er wollte ihre Meinung zu den Herausforderungen im Handwerk wissen.

Aber auch auf Social Media ist Alena schon bekannt. Sie hat den Social Media Kanal e_zubis vom Dachverband Elektro (ZVEH) übernommen und wird das neue Werbegesicht. Hierzu gab es auch schon erste Shootings und Videodrehs, was für Alena total ungewohnt aber auch super spannend ist. Da können wir uns in 2022 auf vielfältigen Content freuen.

Und sie ist das Gesicht für den Monat November im bekannten Handwerkskalender. „Der November hängt bei uns das ganze Jahr“, lacht sie.

Noch zwei abschließende Fragen hätten wir an Alena:

Wieso hat das Handwerk für dich Zukunft?

„Es gibt immer wieder neue Bereiche, es geht nichts ohne das Handwerk. Das Handwerk ist so vielfältig. Auch wenn die Industrie immer eine große Rolle spielen wird, geht nichts ohne das Handwerk. Was bringen uns E-Autos, wenn es keine Handwerker gibt, die die Ladestationen einbauen?“

Welche Wünsche hast du ans Handwerk?

„Öffnet eure Augen, denn das Handwerk ist wichtig! Informiert euch und schaut, was wirklich zu euch passt. Macht das, was ihr möchtet und nicht was andere von euch erwarten. Außerdem sollte in Schulen eine bessere Aufklärungsarbeit über das Handwerk stattfinden“.

Vielen Dank, liebe Alena, für das tolle Interview und die spannenden Insights, die du uns gegeben hast. Wir wünschen dir alles Gute für die Zukunft und verfolgen gespannt, was wir als Nächstes von dir sehen!

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